Träumen lernen als neurodivergente Mutter
- heidedudda
- 18. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Was der Walt-Disney-Prozess über Vertrauen, Realität und innere Freiheit zeigt
Warum Träumen kein Luxus ist – sondern eine Fähigkeit
Viele neurodivergente Mütter sagen von sich:
„Ich bin eigentlich sehr kreativ – aber ich traue meinen Träumen nicht mehr.“
Nicht, weil sie keine Wünsche hätten.
Sondern weil das Leben sie früh gelehrt hat, realistisch zu sein.
Kinder, Verantwortung, finanzielle Sicherheit, alte Erfahrungen von Scheitern oder Überforderung – all das wirkt wie ein innerer Filter. Träume werden vorsortiert, bevor sie überhaupt ausgesprochen sind.
In der zweiten Session meines Programms Rebalanced Me arbeite ich deshalb mit einem klassischen, aber oft missverstandenen Ansatz: dem Walt-Disney-Prozess.
Nicht als Kreativtechnik.
Sondern als Diagnose- und Entwicklungsraum für innere Freiheit.
Der Walt-Disney-Prozess – kurz erklärt (und entromantisiert)
Der Walt-Disney-Prozess unterscheidet drei innere Positionen:
Der Träumer – was wünsche ich mir wirklich?
Der Realist – was ist unter meinen aktuellen Bedingungen möglich?
Der Kritiker – was spricht dagegen, wovor will ich mich schützen?
In der klassischen Businesswelt wird dieser Prozess genutzt, um Projekte zu planen.
In Rebalanced Me nutze ich ihn, um etwas Tieferes sichtbar zu machen:
Wie frei ist jemand innerlich überhaupt noch im Träumen?
Wo übernimmt der Kritiker zu früh die Führung?
Welche Glaubenssätze regieren unbemerkt jede Entscheidung?
Gerade für neurodivergente Mütter ist dieser Prozess oft hoch emotional – weil er zeigt, wo Selbstvertrauen verloren gegangen ist.
Fallbeispiel: Drei Wege – und kein innerer Halt
Eine Mutter mit zwei Kindern kam mit einer scheinbar sachlichen Frage ins Coaching:
Sollte sie einen angestellten Hilfsjob im kreativen Bereich annehmen?
Sollte sie zurück in den Konzern, wo sie früher sehr gut verdient hatte?
Oder sollte sie endlich den Schritt in die Selbstständigkeit als Waldpädagogin wagen?
Auf dem Papier wirkten alle Optionen logisch.
Innerlich jedoch war sie blockiert, erschöpft und voller Zweifel.
Ihr Satz war:
„Ich weiß einfach nicht, was richtig ist.“
Der Träumer: Was wünschst du dir – ohne sofort zu korrigieren?
Im ersten Schritt ging es nicht um Machbarkeit, sondern um Erlaubnis.
Die Frage lautete nicht: Was kannst du dir leisten?
Sondern: Wie sähe dein idealer Tag aus, wenn du dir selbst vertrauen würdest?
Langsam entstand ein Bild:
draußen sein
mit Kindern arbeiten
Rhythmus statt Taktung
Natur statt Bildschirm
Sinn statt Status
Und gleichzeitig wurde sichtbar:
Wie ungewohnt es für sie war, diesen Wunsch nicht sofort zu relativieren.
Viele neurodivergente Mütter haben das Träumen nicht verlernt –
sie haben es abgewöhnt.
Der Realist: Die Lebensrealität darf mit an den Tisch
Im nächsten Schritt ging es um die Realität:
zwei Kinder
finanzielle Verantwortung
ein Alltag, der Struktur braucht
begrenzte Energie
Der Realist wurde nicht genutzt, um den Traum zu zerstören –
sondern um ihn zu erden.
Hier zeigte sich:
Der Konzernjob brachte Geld, aber auch alte Erschöpfung.
Der kreative Hilfsjob war sicher, aber innerlich klein.
Die Selbstständigkeit als Waldpädagogin war riskanter – aber stimmig.
Der Realist stellte keine Verbote auf.
Er stellte Bedingungen.
Der Kritiker: Wo Glaubenssätze sichtbar werden
Der kraftvollste Teil dieser Session ist fast immer der Kritiker.
Nicht, weil er Recht hat.
Sondern weil er verrät, welche inneren Überzeugungen noch aktiv sind.
Bei dieser Mutter kamen Sätze wie:
„Ich kann mich nicht auf mich verlassen.“
„Ich darf kein Risiko eingehen – meine Kinder brauchen Sicherheit.“
„Was, wenn ich wieder scheitere?“
„Ich war schon einmal naiv.“
Das waren keine Fakten.
Das waren Schutzsätze aus der Vergangenheit.
Der Kritiker war nicht der Feind.
Er war ein Hinweis darauf, wo Vertrauen ersetzt worden war durch Kontrolle.
Der eigentliche Prozess: Selbstvertrauen neu lernen
Die Entscheidung für die Selbstständigkeit fiel nicht an diesem Tag.
Und das war entscheidend.
Denn diese Session ging nicht darum, eine schnelle Lösung zu finden.
Sondern darum, sich selbst wieder als verlässliche innere Instanz zu erleben.
In den Wochen danach geschah etwas Wichtiges:
Sie begann, kleine Schritte zu gehen.
Sie hörte genauer auf ihre Erschöpfung.
Sie testete, statt zu beweisen.
Nicht der Traum war das Ziel.
Der Weg zurück ins Selbstvertrauen war es.
Und genau deshalb war die Entscheidung am Ende tragfähig.
Warum diese Session so zentral ist
Viele Mütter glauben, sie müssten nur mutiger sein.
Oder disziplinierter.
Oder realistischer.
Was sie oft wirklich brauchen, ist etwas anderes:
Einen geschützten Raum, in dem Träumen wieder erlaubt ist – ohne sofortige Selbstkorrektur.
Der Walt-Disney-Prozess zeigt sehr klar:
ob jemand sich selbst noch vertraut
ob alte Glaubenssätze Entscheidungen dominieren
ob ein Wunsch aus Lebendigkeit entsteht – oder aus Flucht
Für neurodivergente Systeme ist diese Klarheit essenziell.
Träumen ist kein Risiko – sondern Information
In Grounded Me behandle ich Träume nicht als Ziel, sondern als Datenquelle.
Sie zeigen:
wo Energie fließt
wo Angst regiert
wo Entwicklung möglich ist
Nicht jeder Traum muss umgesetzt werden.
Aber jeder Traum darf ernst genommen werden.
Deine Einladung
Wenn du zwischen Optionen stehst
und merkst, dass dein Kopf entscheidet, aber dein System nicht mitkommt,
dann lohnt sich dieser Blick.
Buche dir ein Gespräch über meinen Calendly-Link.
Wir schauen gemeinsam:
wie frei du noch träumen kannst
welche inneren Kritiker gerade führen
und welcher nächste Schritt wirklich zu dir passt
Du musst dich nicht zwischen Sicherheit und Lebendigkeit zerreißen.
Du darfst lernen, dir selbst wieder zu vertrauen.



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