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Warum freundliche Menschen nicht dumm sind – sondern oft ungeschützt

Viele sensible, reflektierte Menschen tragen einen stillen Glaubenssatz in sich:

„Der freundliche Gute ist der Dumme.“


Nicht als Ideologie – sondern als körperliche Erfahrung.

Wer gut war, wurde ausgelacht.

Wer empathisch war, wurde benutzt.

Wer sich zeigte, verlor Würde.


Kein Wunder also, dass das Nervensystem rebelliert, sobald Sichtbarkeit oder Freundlichkeit im Raum stehen.


Doch dieser Glaubenssatz ist nicht die Wahrheit.

Er ist eine logische Schlussfolgerung aus ungeschützten Erfahrungen.


Güte ist nicht das Problem – Ungeschütztheit ist es


Was viele „Güte“ nennen, ist in Wahrheit Anpassung:

  • nett sein, um nicht verlassen zu werden

  • freundlich sein, um Konflikte zu vermeiden

  • gut sein, um sicher zu sein


Diese Form von Güte senkt Status – nicht, weil sie gut ist, sondern weil sie bindungsabhängig ist.


Das Nervensystem lernt:

„Wenn ich gut bin, verliere ich mich.“

Dieser Lernweg ist verständlich. Aber er ist nicht vollständig.



Der Denkfehler hinter dem Glaubenssatz


Der Satz „Der Gute ist der Dumme“ vermischt zwei Ebenen:

  • Wesen (Güte)

  • Verhalten (Verfügbarkeit)


 Nicht die Güte macht verletzlich.

 Sondern die fehlende innere Anbindung.


Ungeschützte Güte wird ausgenutzt.

Angebotene Güte wird bewertet.

Erklärte Güte verliert Würde.


Doch es gibt eine andere Qualität.


Güte mit Selbstanbindung: leise, klar, souverän


Es gibt Menschen, die:

  • freundlich sind

  • empathisch bleiben

  • nicht kämpfen

  • und trotzdem nicht angreifbar sind


Warum?


Weil ihre Güte kein Angebot ist.

Sie wollen nichts. Sie erklären nichts. Sie halten sich selbst.


In sozialen Systemen gilt:

  • Bedürftige Freundlichkeit = niedriger Status

  • Freie Freundlichkeit = hoher Status


Nicht laut. Nicht dominant. Aber tragend.


Warum Sichtbarkeit Angst macht


Für viele Nervensysteme bedeutet Sichtbarkeit:

  • bewertet werden

  • entwertet werden

  • Würde verlieren


Wenn Güte früher mit Bindungsverlust gekoppelt war, reagiert der Körper logisch:

Alarm.

Die Lösung ist nicht: härter werden.

Die Lösung ist: Güte an einen inneren Ort binden, nicht an Reaktionen im Außen.


Die entscheidende neue innere Ausrichtung


„Meine Güte ist kein Angebot und kein Risiko.
Sie wirkt, wenn sie aus innerer Anbindung kommt – nicht aus Anpassung.“

Oder noch klarer:

„Ich darf gut sein, ohne mich verfügbar zu machen.“

Das ist keine Haltung.

Das ist Nervensystem-Arbeit.



Fazit

Der freundliche Gute ist nicht der Dumme.

Der ungeschützte Gute wird verletzt.


Sobald Güte aus Selbstanbindung entsteht –

nicht aus Hoffnung, nicht aus Angst, nicht aus Beziehung –

wird sie ruhig, souverän und wirksam.


Nicht jeder versteht sie.

Aber sie verliert keine Würde mehr.


 
 
 

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