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ADHS & Beruf & Mama sein: Welche Jobs passen?

Aktualisiert: 21. Jan.

Die Verbindung von Neurodivergenz und Beruf ist für viele Menschen ein wunde Stelle – besonders für Mütter, die gleichzeitig Care-Arbeit, Mental Load und eigene Bedürfnisse jonglieren. Zu oft entsteht das Gefühl, „nicht belastbar genug“ zu sein oder „nicht in die Arbeitswelt zu passen“, obwohl das eigentliche Problem meist unpassende Rahmenbedingungen und wenig Verständnis für anders funktionierende Gehirne sind.

Dieser Artikel zeigt, warum Neurodivergenz im Beruf nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Stärke sein kann, welche Jobs besonders gut passen und wie du deine Bewerbung so gestaltest, dass sie zu dir und deinem Nervensystem passt.


Was Neurodivergenz im Beruf bedeutet


Wenn von Neurodivergenz und Beruf gesprochen wird, geht es um Menschen, deren Gehirne anders arbeiten als die statistische Norm – zum Beispiel bei ADHS, Autismus, AuDHD oder anderen neurodivergenten Profilen. Das wirkt sich direkt auf die Arbeitswelt aus: auf Reizverarbeitung, Energie, Kommunikation und die Art, wie Aufgaben erledigt werden.

Viele neurodivergente Menschen erleben dabei nicht „fehlende Belastbarkeit“, sondern eine andere Art von Belastbarkeit: Sie können in passenden Umgebungen Großartiges leisten, geraten aber in klassischen 9‑to‑5-Strukturen, Großraumbüros und dauernden Unterbrechungen sehr schnell an Grenzen.

Typische Unterschiede im beruflichen Alltag:

  • Reize und Umgebung

    • Geräusche, Licht, Gespräche im Hintergrund, ständige Unterbrechungen, offene Büros oder Dauer-Onlinekommunikation können massiv Energie ziehen.

    • Im Gegenzug können ruhige Umgebungen, klar definierte Aufgaben und die Möglichkeit, fokussiert und ungestört zu arbeiten, zu sehr hoher Leistungsfähigkeit führen.

  • Energiehaushalt und Regeneration

    • Nach Meetings, Kundengesprächen oder intensiven sozialen Situationen ist das Energielevel oft deutlich stärker abgesunken als bei neurotypischen Kolleg*innen.

    • Dafür können Phasen von Hyperfokus entstehen, in denen in kurzer Zeit sehr viel, sehr tief und sehr kreativ erarbeitet wird.

  • Exekutive Funktionen

    • To-do-Management, Prioritäten setzen, Zeitgefühl, Aufschieben, Paperwork – all das kann extrem anstrengend sein und häufig zu Selbstzweifeln führen.

    • Mit passenden Strukturen, Tools und Unterstützung können diese „Schwachstellen“ jedoch gut abgefedert werden, sodass Stärken besser sichtbar werden.

Für Mütter ist das Zusammenspiel aus Neurodivergenz und Beruf noch komplexer: Neben Erwerbsarbeit laufen Care-Arbeit, emotionale Verantwortung und Organisation des Familienalltags mit – oft auf Kosten der eigenen Regeneration.


Stärken von Neurodivergenz im Beruf


Der Blick auf Neurodivergenz und Beruf ist jahrelang von Defiziten geprägt gewesen: Konzentrationsschwierigkeiten, Reizüberflutung, Überforderung. Dabei zeigen Erfahrungsberichte und viele Praxisbeispiele, dass genau dieselben Eigenschaften im richtigen Kontext zu klaren Stärken werden können.

Häufige Stärken:

  • Detailfokus und Mustererkennung

    • Kleine Fehler, Unstimmigkeiten und Muster werden schneller bemerkt.

    • Nützlich in Qualitätssicherung, Datenanalyse, Dokumentation, Recherche, Finanzen und allen Bereichen, in denen Genauigkeit zählt.

  • Kreatives Denken und Problemlösung

    • Unkonventionelle Ideen, „Out-of-the-box“-Denken und das Verbinden von Themen, die andere nicht verbinden würden.

    • Wertvoll in Marketing, Produktentwicklung, Konzeption, Content-Erstellung, Social Media, UX-Design und Innovationsprozessen.

  • Tiefe Konzentration und Expertise

    • Starke Fokussierung auf Spezialinteressen, die zu außergewöhnlicher Tiefe und Fachwissen führen kann.

    • Ideal für Nischenexpertise, spezialisierte Beratungen, Forschung, technische oder inhaltliche Spezialgebiete.

  • Empathie und Sensitivität

    • Hohe Sensibilität für Stimmungen, Ungerechtigkeit und Bedürfnisse anderer Menschen.

    • Besonders wirksam in Beratung, Coaching, Therapie-nahen Kontexten, Bildung, Community-Management und Teamkultur.

Statt zu fragen „Bin ich belastbar genug?“, ist die wichtigere Frage: Unter welchen Bedingungen können meine Stärken in meinem Beruf sichtbar und nachhaltig nutzbar werden?


Neurodivergenz und Beruf im Angestelltenverhältnis


Viele neurodivergente Menschen wünschen sich Sicherheit, planbares Einkommen und klare Strukturen – gleichzeitig brauchen sie Flexibilität, Reizschutz und Verständnis. Im Angestelltenverhältnis können Kombinationen entstehen, die gut funktionieren, wenn Arbeitgeber bereit sind, neuroinklusive Rahmenbedingungen zu schaffen.

Mögliche passende Rollen (abhängig vom individuellen Profil):

  • Fachrollen mit klaren Zuständigkeiten

    • Beispiele:

      • Qualitätssicherung

      • Daten- oder Business-Analyse

      • technische Dokumentation

      • Backoffice-Tätigkeiten mit klaren Prozessen

    • Vorteile: vorhersehbare Aufgaben, klare Kriterien für „fertig“ und weniger spontaner Kundenkontakt.

  • Wissens- und Projektarbeit mit Remote-Anteil

    • Beispiele:

      • Content-Redaktion oder Content-Management

      • UX- oder User-Research

      • Softwareentwicklung, Testing

      • E‑Learning-Konzeption oder interne Wissensaufbereitung

    • Vorteile: Arbeiten im Homeoffice oder ruhigen Umfeld, flexible Einteilung, Fokus auf Ergebnisse statt Präsenz.

  • Soziale und beratende Tätigkeiten mit klarer Struktur

    • Beispiele:

      • Peer-Beratung für Neurodivergenz

      • Gruppenangebote, Workshops, Bildungsangebote

      • Rollen in Diversity & Inclusion oder Gesundheitsmanagement

    • Vorteile: Eigene Erfahrung wird zur Ressource, komplexe Lebensrealität (z.B. Mutterschaft + Neurodivergenz) ist explizit willkommen statt hinderlich.

Wichtig: Neurodivergenz und Beruf bedeutet nicht „eine Diagnose, ein Job“. Es geht um Stellschrauben: Arbeitszeit, Reizlevel, Teamkultur, Kommunikationsform, Autonomiegrad – nicht jede ADHS-Person passt in denselben Job, und nicht jede autistische Person möchte das Gleiche.


Selbstständigkeit, Neurodivergenz und Beruf – inklusive „passivem“ Einkommen


Selbstständigkeit ist für viele neurodivergente Mütter ein Weg, die Verbindung von Neurodivergenz und Beruf selbst zu gestalten: Arbeitszeit im eigenen Rhythmus, Pausen nach Bedarf, Arbeiten von zuhause, Reduktion von Reizüberflutung. Gleichzeitig kommen neue Herausforderungen dazu: Selbstorganisation, unregelmäßiges Einkommen, Marketing, Kundengewinnung.

Mögliche Selbstständigkeitsmodelle:

  • Wissens- und Beratungsangebote

    • Beispiele:

      • Coaching zu Neurodivergenz und Beruf

      • Begleitung für neurodivergente Mütter

      • spezialisierte Beratungen (z.B. Bewerbung, Alltagsstruktur, Elterncoaching)

    • Vorteil: eigene Erfahrung + Fachwissen = Positionierung in einer klaren Nische.

  • Kreative und digitale Dienstleistungen

    • Beispiele:

      • Text & Copywriting

      • Grafikdesign, Illustration, Branding

      • Social-Media-Betreuung für bestimmte Branchen

      • Video-Content, Podcast-Produktion

    • Vorteil: projektbasiertes Arbeiten, häufig remote, oft gute Kombinierbarkeit mit Familie.

  • Semi-passive Einkommensquellen

    • „Passives Einkommen“ ist meist nicht wirklich passiv, sondern erfordert Aufbauarbeit und regelmäßige Pflege.

    • Beispiele:

      • E‑Books, Checklisten, Vorlagen (z.B. für neurodivergente Planung und Organisation)

      • Onlinekurse oder Membership-Modelle

      • Blog oder YouTube-Kanal mit Monetarisierung und Affiliate-Links

    • Für neurodivergente Mütter kann es sinnvoll sein, klein zu starten: eine Mini-Resource, ein kompakter Kurs, eine einfache Membership – statt direkt in große Launches zu gehen.

Entscheidend ist, ehrlich auf die eigenen Ressourcen zu schauen: Neurodivergenz und Beruf in der Selbstständigkeit funktionieren gut, wenn finanzielle Sicherheit, Pausen, Unterstützung (z.B. Buchhaltung, Technik) und klare Grenzen mitgeplant werden.


Neurodivergente Mütter: Care-Arbeit als Kompetenz im Beruf

Viele neurodivergente Mütter unterschätzen, wie viel sie im Alltag leisten – und wie wertvoll diese Fähigkeiten im Beruf sind. Die Verbindung von Neurodivergenz und Beruf ist hier besonders sichtbar: ständige Reizvielfalt im Familienalltag, parallele Aufgaben, emotionale Begleitung von Kindern und oft wenig Regeneration.

Gleichzeitig entstehen dabei Kompetenzen wie:

  • Krisenmanagement: im Chaos handlungsfähig bleiben, schnelle Lösungen finden.

  • Priorisierung: entscheiden, was jetzt wirklich wichtig ist und was warten kann.

  • Empathie: feine Wahrnehmung von Bedürfnissen und Stimmungen.

  • Kreative Problemlösung: unkonventionelle Wege, damit Alltag überhaupt funktioniert.

Diese Fähigkeiten lassen sich bewusst in berufliche Sprache übersetzen, etwa in Bereichen wie Beratung, Bildung, Community-Aufbau, Organisationsentwicklung oder Projektmanagement – besonders dort, wo Menschen, Systeme und Veränderungen zusammenkommen.


Bewerbungstipps bei Neurodivergenz und Beruf


Am Ende geht es bei Neurodivergenz und Beruf nicht nur darum, was du kannst, sondern wie du es kommunizierst – vor allem in Lebenslauf und Bewerbungsgespräch. Viele neurodivergente Menschen haben Brüche, Lücken oder „bunte“ Lebensläufe. Das ist kein Makel, sondern ein Muster, das erklärt werden will.

Praxisnahe Tipps:

  • Lücken im Lebenslauf formulieren

    • Nutze neutrale, respektvolle Formulierungen wie:

      • „Phase der gesundheitlichen Stabilisierung und Neuorientierung“

      • „Familienphase mit Fokus auf Care-Arbeit und Weiterbildung“

      • „Zeit für persönliche Entwicklung, Fortbildungen und Neuorientierung im Bereich XY“

    • Du entscheidest, ob und wann du deine Neurodivergenz konkret erwähnst – sie ist kein Pflicht-Thema.

  • Stärken konkret benennen

    • Statt „kreativ“: „Entwickle in komplexen Situationen schnell unkonventionelle Lösungswege, zum Beispiel …“

    • Statt „detailorientiert“: „Erkenne Fehler und Unstimmigkeiten in Daten / Texten sehr früh, wodurch die Qualität der Ergebnisse steigt.“

    • Statt „empathisch“: „Nehme Stimmungen in Gruppen schnell wahr und kann dadurch Konflikte früh erkennen und moderieren.“

  • Neurofreundliche Bewerbungsstrategie

    • Nutze klare Struktur in Lebenslauf und Anschreiben, Bulletpoints statt langer Fließtexte.

    • Bereite 2–3 konkrete Beispiele vor, die deine Stärken zeigen – das reduziert Druck im Gespräch.

    • Überlege vorab, welche Arbeitsbedingungen du brauchst (z.B. Remote-Anteil, klare Aufgaben, wenig Großraumumgebung) und formuliere sie als „Rahmenbedingungen für bestmögliche Leistung“.

  • Offenlegung („Disclosure“) gut abwägen

    • Du bist nicht verpflichtet, eine Diagnose zu nennen.

    • Wenn du darüber sprichst, rahme sie als Erklärung und Ressource: „Mein Gehirn arbeitet anders. Das bedeutet für mich: besonders stark in X, dafür brauche ich Y, um meine Leistung optimal zu erbringen.“


Nächster Schritt – deine berufliche Klarheit


Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass Neurodivergenz und Beruf für dich gerade ein zentrales Thema sind – vor allem als Mutter –, musst du diesen Weg nicht alleine gehen. Viele Fragen lassen sich leichter klären, wenn du eine strukturierte, wohlwollende Begleitung an deiner Seite hast.

Wenn du dir Unterstützung wünschst, um deine Stärken klarer zu sehen, passende Jobmodelle zu finden oder Bewerbungsunterlagen neurofreundlich zu gestalten, kannst du dir direkt einen Termin für ein unverbindliches Erstgespräch buchen: Nutze dafür einfach meinen Calendly-Link und wähle den Zeitpunkt, der zu deinem Alltag passt.

 
 
 

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