Warum Gehaltsverhandlungen für neurodivergente Menschen oft so schwer sind
Es geht selten nur um Geld
Viele Menschen denken bei Gehaltsverhandlungen an Zahlen, Argumente und Verhandlungstechniken.
Doch wenn du neurodivergent bist, geht es oft um etwas ganz anderes.
Es geht um Selbstwert.
Vielleicht kennst du Gedanken wie:
"Bin ich wirklich so viel wert?"
"Vielleicht sollte ich erst noch mehr leisten."
"Andere können das bestimmt besser als ich."
"Ich will nicht gierig wirken."
"Ich bin doch schon froh, dass ich diesen Job habe."
Dann liegt die eigentliche Herausforderung oft nicht im Verhandlungsgespräch.
Sondern lange davor.
Die unsichtbare Falle: Was für dich selbstverständlich ist, zählt plötzlich nicht mehr
Viele neurodivergente Menschen übersehen ihre größten Stärken.
Warum?
Weil sie sich selbstverständlich anfühlen.
Vielleicht kannst du:
komplexe Probleme schnell durchdringen
kreative Lösungen finden
Zusammenhänge erkennen
Krisen meistern
dich tief in Themen einarbeiten
Menschen besonders gut verstehen
Für dich fühlt sich das oft normal an.
Du denkst:
"Das kann doch jeder."
Die Realität sieht häufig anders aus.
Was für dich selbstverständlich ist, ist oft genau der Grund, warum andere dich einstellen möchten.
Die Loyalitätsfalle
Besonders bei Menschen mit schwierigen Erfahrungen oder einem geringen Selbstwert taucht oft ein weiterer Gedanke auf:
"Ich sollte dankbar sein."
Dankbar für den Job.
Dankbar für die Chance.
Dankbar für die Wertschätzung.
Doch Dankbarkeit und angemessene Bezahlung schließen sich nicht aus.
Du darfst dankbar sein.
Und gleichzeitig einen fairen Ausgleich für deine Arbeit erwarten.
Die Perfektionsfalle
Viele neurodivergente Menschen verschieben Gehaltsgespräche immer weiter.
Nicht weil sie faul sind.
Sondern weil sie glauben:
"Wenn ich noch diese Weiterbildung mache ...""Wenn ich noch mehr Erfahrung habe ...""Wenn ich noch sicherer werde ..."
Dann werde ich nach mehr Geld fragen.
Das Problem:
Die innere Hürde verschiebt sich oft mit.
Wer seinen Wert erst fühlen darf, wenn er perfekt ist, wird nie den richtigen Zeitpunkt finden.
Was Unternehmen wirklich bezahlen
Viele Menschen glauben, sie würden für ihr Wissen bezahlt.
Das stimmt nur teilweise.
Unternehmen bezahlen für Wirkung.
Zum Beispiel:
gelöste Probleme
übernommene Verantwortung
Zuverlässigkeit
Ideen
Kundenbindung
Stabilität
Zusammenarbeit
Lernfähigkeit
Nicht alles davon steht auf einem Zertifikat.
Trotzdem hat es einen Wert.
Wenn du Schwierigkeiten hast, deinen eigenen Wert zu erkennen, probiere mal die Übung 10-10-10 aus in diesem Blogartikel Neurodivergenz und Selbstwert.
Gehaltsverhandlungen beginnen nicht im Gespräch
Viele Ratgeber beschäftigen sich mit Verhandlungstechniken.
Die können hilfreich sein.
Doch die wichtigste Verhandlung findet oft vorher statt.
Die Verhandlung mit dir selbst.
Darfst du sichtbar sein?
Darfst du deinen Beitrag benennen?
Darfst du anerkennen, was du leistest?
Darfst du etwas verlangen, ohne dich dafür rechtfertigen zu müssen?
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, wird das eigentliche Gehaltsgespräch leichter.
Mein Gedanke zum Schluss
Du musst niemand anderem beweisen, dass du wertvoll bist.
Vielleicht geht es vielmehr darum, die Beweise endlich selbst anzuerkennen.
Denn Selbstwert entsteht nicht dadurch, dass andere deinen Wert bestätigen.
Selbstwert entsteht, wenn du beginnst, ihn selbst zu sehen.
Und manchmal beginnt das mit einer einfachen Aufforderung:
Nenne spontan 10 Eigenschaften an dir, warum ein Unternehmen dich gerne behält!



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